ALTE LIEBE

Seit seiner Pensionierung meckert Harry (Joachim Król) nur noch rum, trinkt Weizenbier und pflegt seinen Rittersporn. Findet Lore (Dagmar Manzel). Sie klammert sich an ihren Job als Bibliothekarin, organisiert peinliche Lesungen und verehrt ihre Dichter wie Propheten. Findet Harry. Für ein altes Ehepaar reden die beiden erstaunlich viel – und meinen doch meistens etwas anderes. Als Tochter Julia zum dritten Mal heiraten will, ist der Streit programmiert und doch nur die Spitze des Eisbergs. In vierzig Jahren Ehe sammelt sich einiges an. Unter der Oberfläche brodelt es: unausgesprochene Fragen, alte Eifersucht, der Streit um Harrys Phlegma und um den Sinn eines Hochdruckreinigers. Während Harry seinen Garten hegt, träumt Lore von einem anderen Leben, von Reisen, von Aufbruch. Sie fühlt sich kraftlos und fragt sich immer dringlicher: War das schon alles? Welche Chancen hat sie verpasst? Ist es mit über sechzig zu spät für einen Neuanfang? Harry trinkt sein Bier, raucht, schweigt. Und bemerkt doch ihre Not.

„Einer der vermutlich besten deutschen Filme der letzten Jahre. Und das liegt nicht zuletzt daran, dass der Film weit mehr ist als bloßes Seniorenkino und auch einem jüngeren Publikum einiges zu bieten hat – zumal sich so mancher in dem alten Paar an die eigenen Großeltern erinnert fühlen dürfte.“ (uncut.at)

D 2026 – 110 Min – Regie: Andreas Dresen – Nach einem Bestseller von Elke Heidenreich – Mit: Dagmar Manzel, Joachim Król u. a.

Nach einem Bestseller von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder erzählt Andreas Dresen in „Alte Liebe“ von zwei Menschen, die seit vielen Jahren ein Leben teilen.

Zwei Menschen, die sich gut, fast schon zu gut kennen, die fast jeden Gedanken, jede Geste des Gegenübers voraussehen können, die manchmal genervt davon sind, nicht mehr überrascht zu werden, die genau das aber auch immer wieder zu schätzen wissen. Überzeugend spielen das Dagmar Manzel und Joachim Król, zumal die Dialoge es ihnen leicht machen. Weniger die der Romanvorlage, als die von Laila Stieler, die es mit erstaunlicher Präzision schafft, die Höhen und Tiefen, vor allem aber den nur scheinbar gleichförmigen Alltag einer langen Beziehung einzufangen. Was als beiläufige Beobachtung einer Ehe begann, entwickelt sich dank authentischer Dialoge zu einem feinsinnigen Porträt einer langen Beziehung. (tip-berlin.de)